Mehr Zeit für Menschen am Lebensende – erstes positives Resümee des Modellprojekts „ZiB“ in Bad Waldsees
Mehr Zeit für Menschen am Lebensende: Dieses Ziel verfolgt das Modellprojekt „ZiB – Zeitintensive Betreuung im Pflegeheim“, das seit dem 1. November 2025 in Bad Waldsee umgesetzt wird. Verantwortliche und Projektbeteiligte trafen sich am 5. März im Wohnpark am Schloss der St. Elisabeth-Stiftung zu einem ersten Austausch über die bisherigen Erfahrungen. Die Zwischenbilanz fällt positiv aus: Das Projekt schafft spürbar mehr Zeit für Bewohnerinnen und Bewohner in ihrer letzten Lebensphase und entlastet zugleich Pflegekräfte, Angehörige und Ärzte.
Immer mehr Menschen verbringen ihren letzten Lebensabschnitt im Pflegeheim. Gerade in dieser Zeit steigt der Betreuungsbedarf deutlich. Im regulären Pflegealltag bleibt dafür jedoch häufig nur wenig Zeit. Das Modellprojekt ZiB setzt genau hier an. Palliativfachkräfte werden zusätzlich zu ihrer Tätigkeit im Pflegeheim geringfügig beim lokalen Hospizverein, der Hospizgruppe Bad Waldsee e. V., angestellt und kümmern sich in dieser Zeit ausschließlich um die intensive Begleitung von Bewohnern am Lebensende.
An dem Projekt beteiligen sich drei Einrichtungen in Bad Waldsee: der Wohnpark am Schloss der St. Elisabeth-Stiftung, das Spital zum Heiligen Geist sowie das Seniorenzentrum Bad Waldsee der Zieglerschen Süd gGmbH. Finanziert wird das Projekt durch die Paula-Kubitschek-Vogel-Stiftung. Die Einrichtungen stellen zusätzlich Pflegezeit zur Verfügung, sodass pro Pflegeheim mehrere zusätzliche Stunden für die Betreuung am Lebensende entstehen.
Die zusätzliche Zeit ermöglicht es Pflegekräften, stärker auf persönliche Bedürfnisse einzugehen. Spaziergänge, Gespräche oder kleine Ausflüge werden möglich, ebenso wie Momente der Ruhe und Zuwendung, die im Alltag oft zu kurz kommen. „Wenn Mitarbeitende das blaue ZiB-T-Shirt tragen, wissen alle im Haus: Jetzt ist ZiB-Zeit“, beschreibt Laura Branz, Wohnparkleiterin Wohnpark am Schloss in Bad Waldsee, den besonderen Charakter des Projekts.
Auch für die Mitarbeitenden selbst hat das Konzept positive Auswirkungen. Viele erleben die Arbeit im Rahmen von ZiB als Rückbesinnung auf die eigentlichen Werte ihres Berufs: Zeit, Aufmerksamkeit und persönliche Begleitung.
Eine besondere Rolle spielt zudem Therapiehund Buddy, der Pflegehilfskraft Manuela Schmidt bei einzelnen Einsätzen begleitet. Gerade bei Bewohnern, die sich zurückziehen, kann der Hund häufig einen ersten Zugang schaffen und Gespräche erleichtern.
Neben der persönlichen Begleitung verbessert das Projekt auch die Zusammenarbeit mit Hausärzten. Durch ihre palliative Zusatzqualifikation können die Pflegekräfte Situationen frühzeitig einschätzen und angemessen reagieren. Gleichzeitig zeichnet sich bereits ein weiterer Effekt ab: Krankenhauseinweisungen lassen sich häufiger vermeiden, sodass Bewohner auch in der letzten Lebensphase in ihrer vertrauten Umgebung bleiben können.
„Das Projekt zeigt eindrucksvoll, welche Qualität in der Pflege möglich ist, wenn ausreichend Zeit zur Verfügung steht“, sagt Christian Schramm, Vorsitzender der Hospizgruppe Bad Waldsee.
Das Modellprojekt läuft noch bis zum 31. Oktober 2026. Angesichts der bisher durchweg positiven Erfahrungen wünschen sich die Beteiligten eine langfristige Finanzierung sowie Verbesserungen beim Personalschlüssel im Bereich der palliativen Pflege, um eine intensive Begleitung am Lebensende dauerhaft zu ermöglichen.
Text: St. Elisabeth-Stiftung